
Daten
- Hersteller: LOEWE OPTA
- Baujahr: 1954/55
- Tuner (Röhrenradio)
- Abmessungen (B x H x T): 57 x 38 x 28cm
- Gewicht: 13kg
Beschreibung
- Marke Loewe vom Typ Opta Meteor
- diverse Klangmodifikationstasten
- Langwelle, Mittelwelle, Kurzwelle, UKW
- mit Bedienungsanleitung
- Mängel: Tasten vergilbt, an der Oberseite blättert der Lack ab
- beiliegende Werbung: "LOEWE OPTA - Plastik-Ton Serie - mit Zaubertaste 3D"
- Das Wort "Plastik" muss um 1955 in diesem Zusammenhang wohl nicht als "Kunststoff" oder "künstlich" interpretiert werden sondern im Sinne von "Plastisch den Raum füllend" oder "Skulptur" (Knoll: Geschichte 3D Raumklang s).
- Auch bei diesem Radio dürften die Seitenlautsprecher "ab Werk" nachträglich eingebaut wurden sein. Die ganze mechanische Konstruktion ist schlicht gebastelt und passt nicht zu dem restlichen Aufbau der zwar nicht sehr teuer ist, aber ordentlicher. Selbst die Schrauben am rechten Lautsprecher sind "überdreht" worden, als sie in das Gehäuse gewürgt worden. (siehe Text und Bild weiter unten bei bei Seitenlautsprecher)
Links
Restauration

Das Gerät steht noch ganz gut da, es ist nichts kaputt.
An der Oberseite ist der Lack komplett zerstört und blättert ab. Hier muss restauriert werden.
Die Stoffbespannung ist in einem erfreulich gutem Zustand.
Grundreinigung


Nach dem Entfernen der Rückwand kommt mir eine Geisterbahn mit wehenden Spinnenweben und millimeterdicker Staubschicht entgegen.
Also den bewährten Staubsaugerschlauch in Aktion gesetzt und vorsichtig alles entfernt, was nicht nach Elektrik/ Elektronik aussieht. Die Fragmente von glashart gewordenem Gummie-Band die überall im Gehäuse herumliegen hebe ich mal auf, kann sie aber keiner Quelle zuordnen.


Ein kleines "vorher/ nachher" Bild konnte ich mir nicht verkneifen.
Zum Vorschein kommt ein schickes gold-lackiertes Chassis mit wenigen Bauteilen.
Zerlegen
Chassis ausbauen
Um die Chassis herausnehmen zu können, müssen die Verbindungskabel zum Lautsprecher "L", zum Lautsprecher-Traffo "T" und zum Magischem-Auge "M" abgelötet werden.

Die Drähte unbedingt mit Klebezetteln beschriften.
Darauf achten, dass an "M" das Kabel "M2" eine Brücke zwischen den Lötpunkten "A" und "B" herstellt. Diese muss beim anlöten wieder angebracht werden.

Um an die Befestigungschrauben für die Chassis zu kommen, muss erst die Bodenpappe abgenommen werden.
Nach lösen der vier Holzschrauben kann sie durch leichtes Biegen aus ihrer Halterung genommen werden.
Vorsicht, die Metallbeschichtung hängt durch ein angelötetes Erdungskabel an der Chassis und muss abgelötet werden.
Auf der Bodenplatte war bei mir (unter einer dicken Staubschicht) der Schaltplan aufgeklebt.

Die Chassis kann nach lösen der vier Bodenschrauben vorsichtig, komplett mit der Skalenplatte, herausgenommen werden.
Frontlautsprecher ausbauen
Als nächstes habe ich den großen Frontlautsprecher herausgebaut. Nach lößen der Muttern muss die Unterlegscheibe gelößt werden, welche mit der Aufhängung aus Gummie "verbacken" ist: Vorsichtig mit einer Kombizange packen und leicht drehen, dann "kommt" er schon.
Seitenlautsprecher ausbauen
Da der Kabelbaum für die Seitenlautspecher mit Nägeln an Gehäuse befestigt ist, habe ich mich entschieden, diese nicht abzubauen, sondern die Kabel an den Lautsprecher und den Trafo abzulöten. Eine Zeichnung anfertigen und die Kabelenden sauber Beschriften.
Ich habe die Seitenlautsprecher komplett mit dem Brett abgeschraubt auf dem sie befestigt sind, um an die Bespannung zu kommen. Von aussen ist sichtbar, dass diese sich auf einer Seite abgelösst hat.
Nach lösen der sechs Holzschrauben lassen sich die Bretter mit dem Lautsprechern abnehmen.
Leider scheint das Plastikgitter für die Lautsprecherabdeckung eingeleimt zu sein und ich kann es nicht heraus nehmen.

Die Seitenlautsprecher scheinen übrigens, wie oben unter Beschreibung erläutert, "ab Werk" nachträglich eingebaut worden zu sein. Die Aussparung ist nicht sehr sauber und durch die Antennenfolie durchgesägt. Die Holzleiste für den leichten Winkel nach vorne ist schlicht "reingenagelt" worden und sieht sehr nach Bastelarbeit aus. Die Interpretation, dass hier, da auf einmal nur noch "3D Plastik Raumklang" verkauft werden konnte, nachträglich Geräte umgerüstet wurden, klingt plausibel.
Frontplatte ausbauen
Die Frontplatte kann nach lösen der sechs Holzschrauben und der unteren Mutter heraus genommen werden.
Das Magische-Auge und der Lautsprecher-Trafo bleiben daran montiert.
Vorsicht bei der unteren mittleren Gewindestange. Diese geht durch die Stoffbespannung und bei abnehmen könnte der Stoff sich lösen oder zerreißen.

Das Ergebnis der Mühen ist ein nacktes Gehäuse und jede Menge Teileschachteln.
Das große Putzen kann beginnen.
Lackieren
Vor dem Abschleifen habe ich noch die vier Zierleisten links und rechts abgebaut, da es mir dann doch zu mühsam erschien, um sie "herum" zu schleifen.
Nach Vorsichtigem herausziehen des kleinen Nagels (mit einer Flachzange) in der Oberseite kann man die Messing-Leisten aus der Nut herausziehen. Den unteren Nagel habe ich mit einem kleinem Schraubendreher gelößt und dann mit einer Flachzange herausgezogen.
Leider fehlt bei mir bei einer der Messingleisten die Hälfte. Ich bin einmal gespannt, wie ich die ersetzten kann.
Abschleifen
Der Lack des Gehäuses ist zum großen Teil sehr spröde und vor allem oben auf dem Gehäuse schon abgesplittert. Mit 120er Schleifpapier geht er ganz gut ab.
Ein Trick ist, mit einem scharfen Metallgegenstand (Schraubendreher, Zange, Spachtel, ...) den Lack abzukratzen. Das geht ganz gut, nur aufpassen, dass man keine Kratzer in das Holz macht die dann mühsam herausgeschliffen werden müssen.

Auf jeden Fall muss die oberste Holzschicht runter, da diese ungleichmäßig dunkel pigmentiert ist. Ich weiss nicht ob das die Reste einer Beize sind oder ob Farbe aus dem Lack in das Holz diffundiert ist.
Die Oberfläche wird dann noch mit 1200er abgeschliffen um die Spuren des groben Schleifpapieres zu entfernen.
Vorsicht beim Schleifen, das Furnier ist nicht unendlich dick.
Den Staub am besten wegblasen. In Ermangelung eines Kompressors habe ich einen weichen Lappen und eine Laubbläse benutzt.
Die seitlichen Plastikgitter abkleben! Ich bin immer wieder, trotz aller Vorsicht, mit dem Schleifpapier dran gekommen, was unschöne Spuren hinterlässt. Ich hoffe, dass ich die mit Stahlwolle oder ähnlichem wieder weg bekomme.
Nachtrag: Die Gitter sind mit kleinen Nägeln befestigt, die ich beim Reinigen irgendwann entdeckt habe. Ich habe sie dann nicht mehr entfernt und beim Lackieren lieber abgeklebt. Die Schleifspuren sind mit 000er Stahlwolle ganz gut wegbekommen. Wie ich es wieder zum "glänzen" bekomme weiss ich noch nicht.
Lackieren
Das Lackieren steht an, momentan sammele ich Tips.
Das LOEWE ist mein Testgerät. Es ist von der Verarbeitung her kein besonders wertvolles Gerät und der Lack ist total kaputt, es kann also nur besser werden, auch wenn nicht alles funktioniert.
Messing
Das Holz um die Messing-Leisten habe ich mit Krepp-Kleber an den Leisten abgeklebt.
Danach das Messing mit
- (altem) 500er Schleifpapier von dem Lack befreit. Das hinterlässt zum Teil ziemliche Spuren, deshalb mit
- 1200er Schleifpapier nachgeschliffen, danach mit
- 000er Stahlwolle poliert, ruhig richtig Zeit nehmen. Jetzt glänzt es richtig schön.
Dann die Messingleisten mit unverdünnten Clou Zapon-Lack lackiert.
Bei den kompizierten Teilen (Logos) habe ich mit leicht verdünntem Lack (Nitro-Verdünnung) gearbeitet, damit er besser fließt und mir nicht in den Vertiefungen Nasen bildet.
Die Messingleisten die ich nicht abmontieren konnte habe ich vor dem Lackieren des Holzgehäuses mit Tesafilm abgeklebt. Das war ein Fehler! Abgesehen davon das ich sie fest nicht wieder abbekommen habe haben sie den Zapon-Lack ziemlich in mitleidenschaft gezogen. Der Trick um sie überhaupt abzukriegen war reichlicher Einsatz von Parafin - damit ging dann immerhin der der Kleber des Tesas ab. Das nächste mal auf jeden Fall versuchen die Leisten vorher abzubauen, abkleben ist nicht die Lösung.
Die Zierleisten rechts und links, die ich vorher abgebaut habe, ließen sich gut wieder einsetzen und mit den Nägeln befestigen.

Die abgebrochene Leiste habe ich durch ein 2 mm Messingrohr ersetzt. Ich habe es von Hand vorsichtig in die Form des Gehäuses gebogen.

Als Führung habe ich mit Sekundenkleber stabile Papierstreifen-Stückchen angeklebt. Es ist optisch nicht 100% perfekt, sieht aber ganz gut aus. Wenn man nicht weiss, was gespielt wird, sieht man es erst auf den dritten Blick.
Holzgehäuse
Momentan bin ich bei
- Clou Beize: "eiche dunkel" (165)
- Südwest PalaDur: Klarlack für Holz, hochglänzend (K27)
Beizen

Die Beize habe ich an einem Stück mit einem dicken Borstenpinsel aufgetragen. Das harte Holz des Furniers nimmt nicht so viel Beize auf, wie ich das von weicheren Hölzern kenne. Deshalb ist es auch nicht so kritisch einige Male mit Farbe drüberzugehen, es entstehen nicht gleich Streifen.
Deshalb aber auch nicht zu mutig mit einem Lappen die überschüssige Farbe wegwischen, es wird leicht wieder heller und es entstehen Flecken.
Lack
Um diese schönen glänzenden Lackoberflächen hinzubekommen habe ich versucht im Internet Informationen zu finden. So richtig konkretes habe ich nicht gefunden.
Mein ursprünglicher Gedanke, einen "originalen" Lack zu verwenden, habe ich verworfen. Im Internet war zu lesen, das selbst Liebhaber Schellack nicht empfehlen, er ist wohl einfach zu "schlecht". Mein Malermeister im Fachgeschäft hat mich fast rausgeworfen als ich danach gefragt habe.
Ich bin dann bei dem oben angegebenen Parket-Lack gelandet.
Den Lack habe ich in zwei schichten Unverdünnt mit einem großen Borstenpinsel aufgetragen. Lieber wäre mir ein feinerer gewesen, aber ich habe gerade keinen da gehabt.
Die dritte Schicht habe ich mit einer 1:1 Nitro-Verdünner Mischung aufgetragen, da ich das Gefühl hatte, er fließt nicht gut genug.
Bisher sieht es ganz gut aus. Ich habe bisher zwischendurch nicht geschliffen. Die Unebenheiten der Holzmaserung sind aber noch sichtbar.
Chassis reinigen
Die braunen Drehknöpfe links und rechts von der Achse abschrauben.
Die Glas-Scalenplatte entfernen.
Vorsichtig oben mit den Fingern nach vorne herausdrücken. Auf die Beschriftung auf der Rückseite aufpassen, die ist schnell zerkratz. Oben anfangen und dann herausnehmen,
Das Kepp-Klebepapier habe ich aufgehoben und will es wieder ankleben. Es ist so schön "Original".
Die weissen Drehknöpfe links und rechts der Tastenleiste abschrauben.
Die weissen Tasten der Tastenleiste sind mit einem weichen Kleber auf den Metallschienen festgeklebt. Ich bin vorsichtig mit zwei Schraubenziehern (besser Flachzange, wenn genug Platz ist) drauntergefahren und habe sie langsam herausgehebelt. Das ist natürlich gefährlich, da das spröde Plastik schnell bricht. Sie waren bei mir aber so dreckig und verharzt, das ich sie unbedingt richtig säubern will, sonst würde ich sie eher drann lassen.
Was für einen Kleber ich nehme, um sie wieder anzukleben weiss ich noch nicht, sie sollen ja in 50 Jahren auch einmal wieder abgenommen werden können.
Die restlichen Bauteile und das Metall des Chassis habe ich mit meinem lieblings Kunststoffreiniger und Borstenpinseln in Stundenlanger Arbeit gereinigt. Es war alles von so einer Art Fettschicht überzogen.
Beim Versuch Wachsflecken (der überall als Schraubenstop verwendet worden ist) abzuwaschen, habe ich übrigens festgestellt, dass der schöne Goldlack mit Nitro-Verdünnung sofort abgeht. Auch mechanisch ist er nicht besonders belastbar. Also wirklich nur vorsichtig mit Pinsel und viel Geduld arbeiten.
Bespannung
Die Bespannung der Frontplatte hat einige kleine braune Spitzer, ich denke von Möbelpolitur.
Ich habe Versucht diese mit einem kleinem Borstenpinsel und Vollwaschmittel auszuwaschen.
Nach einigen Veruchen habe ich aber aufgegeben. Die Bespannung ist einfach zu empfindlich um lange daran zu arbeiten. Hier fehlt mir noch ein Trick.
Elektronik reparieren
Kondensatoren
Mit den "Mustard Caps" von http://www.tubeampdoctor.com/ habe ich bei dem NORDMENDE Fidelio 56-3D ganz gute Erfahrungen gemacht. Also wieder dort gesucht.
Diesesmal für die "TAD Vintage Oil Caps" entschieden, da die Werte dann doch besser passen.
- C1: ERO; 5000 pF; -; 750 V~
- getauscht gegen: 0.005uF @ 600V TAD Vintage Oil Caps / Paper-In-Oil
- TAD 4.7nF 630VDC Mustard Cap (4700pF = 4.7nF = 0.0047uF)
- C2: ERO; 0,05 µF/ 10%; 500 V-; 220 V~
- getauscht gegen: TAD 47nF 630VDC Mustard Cap (50000pF = 47nF = 0.047uF)
- C4: ERO; 500 pF; -; 750 V~
- getauscht gegen: 500pF 500V Silver Mica Cap (V-M500)
- C5: ERO; 0,05 µF; 500 V-; 220 V~
- getauscht gegen: 0.05uF @ 600V TAD Vintage Oil Caps / Paper-In-Oil
- TAD 47nF 630VDC Mustard Cap (50000pF = 47nF = 0.047uF)
Welche Austausch-Kondensatoren sind geeignet, besonders das Thema Entstörkondensator: http://www.hifi-forum.de/index.php?action=browseT&forum_id=185&thread=2629&postID=13
Beleuchtung
Beide Glühbirnchen der Beleuchtung gegen 6 V/ 0,6 W Fahrrad-Rücklicht-Glühlampen ausgetauscht.
Zusammenbau und Test

Alles in umgekehrter Reihenfolge zusammengesetzt und eingeschaltet.
Sehr guter Empfang und er spielt auf allen Wellen in toller Qualität.
Es ist ein leichtes Knistern zu hören, das stört noch. Mal sehen ob ich noch dahinter komme, woran das liegt.