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NORDMENDE Fidelio 56-3D

  • eBay: EUR 19,50 + EUR 14,50

Daten

  • Hersteller: NORDMENDE
  • Tuner (Röhrenradio)
  • Baujahr: 1955 / 1956
  • Material / Ausstattung: Gerät im Holzgehäuse
  • Abmessungen (B x H x T): 63,5cm x 40,5cm x 27cm
  • Gewicht: 12,6kg
  • Prinzip: Superhet allgemein; ZF 473 kHzSuperhet
  • Anzahl Kreise: 8 Kreis(e) AM; 11 FM-Kreis(e)
  • Wellenbereiche: Langwelle, Mittelwelle, Kurzwelle und UKW
  • Betriebsart/Volt: Wechselstromspeisung / 110, 125, 150, 220, 240 Volt
  • Lautspr./Ausgangsleistung: 3 Lautsprecher

Beschreibung

  • Tuner
  • Ich habe das Radio zwecks Restauration bei eBay gekauft. Als die Kiste bei mir ankam habe ich dann doch einen Schreck ob der Größe bekommen. Zitat der Frau im Haus: "Jetzt reichts dann aber!".
  • Von allen Seiten beschaut, scheint vollständig zu sein, die Knöpfe scheinen alle zu funktionieren. Es ist sogar noch der originale Netzstecker drann.

Links

Unterlagen

Hier die Scans des Schaltplans, den ich im Gehäuse gefunden habe, zum Download:

Restauration

  • Restauriert: von 2008-04 bis -05

Rückwand

Die Rückwand abgeschraubt, einer der Plastikknöpfe fehlt, in die "besorgen oder ersetzen"-Liste aufgenommen.
Die übliche Papp-Rückwand dieser Zeit ist leicht verbogen und an einer kleinen Stelle eingedrückt.
Zum Vorschein kommt etwas, das ich spontan als "alten Hühnerstall" bezeichne. Ich hoffe das ich das saber bekomme, bevor die Frau des Hauses etwas mitbekommt!
Es sieht aber alles vollständig aus. Glück gehabt, bei dem Teil größere fehlende Komponenten zu ersetzen scheint mir schwierig zu sein.

Netzstecker

Die erste Ernüchterung, der besagte Netzstecker passt nicht in eine moderne Steckdose. Er hat keine Aussparungen für den Schutzkontakt und für die üblichen abgeflachten führungen ander Seite - er ist schlichr rund.
In der Kabelecke gekramt und eine alte Aufputz-Steckdose gefunden. Die Schuko-Kontakte abgebaut (alles geschraubte Einzelteile, so war das früher) und statt des Gehäuses um alles elektrische zwei Lagen Isolierband gewickelt. Sieht ganz Vertrauenserweckend aus.
Tja, an denn Tip mit der zwischengeschaltenen Glühbirne als Kurzschluß-Schutz habe ich mich erst später erinnert - ich habe es gleich eingesteckt. Es leuchtet und rauscht, was will man mehr. Auf LW kommen sogar einige verrauscht Töne. Ich werte das erst einmal als "funktionsfähig" - die Reinigung kann beginnen.

Grundreinigung

Staubsaugen

Als erstes muss der Staub raus. Die Schicht müsste im Grunde alles kurzschließen, durch das irgendwo Strom fließt. Scheint aber trocken genug zu sein. Ich würde gerne erst mal "Staubsaugen". Mal sehen, ob ich mir einen kleinen Schlauch als Adapter an der Staubsauger anschließen. Mit trocken wischen komme ich da nicht weit und müsste wohl auch wegen Staubluge behandelt werden.

Ich habe mit Klebeband einen Druckluftschlauch an den Staubsauger angeflanscht und den Innenraum erst mal an den zugänglichen Stellen grob gereinigt.
Dabei gab es die erste Überraschung: In einer Art Schublade am Boden lag der Originale Schalt- und Einmessplan, Datiert auf den 8.März 1955. Ich habe ihn nach 63 Jahren unter einer dicken Staubschicht aus seiner Schublade wieder an das Licht gezogen - nostalische Gefühle...

Chassis entfernen

Vor dem entfernen der Chassis müssen die Lautsprecher abgelötet werden. Ich habe die Kabel an den Lautsprechern gelassen und sie an den Lötpunkten an dem Trafo abgelötet. Vorher einen Plan machen und die Drähte und Lötpunkte beschriften.

Das Klangregister (Bass, Sprache, Orchester, Solo, Jazz) muss ebenfalls von der Front abgeschraubt werden. Der dicke Kabelbaum ist hat zwar am Chassis eine Steckverbindung, der Erdungsdraht ist aber fest verlötet und muss abgelötet werden.

Die Pappschublade (in der bei mir der Schaltplan lag) ist durch einen Erdungsdraht mit dem Chassis verbunden. Dieser kann abgeschraubt werden.

Die Chassis kann durch lösen der vier Schrauben auf der Unterseite enfernt werden. Ich habe darauf geachtet mir die Schrauben und Gummiedämpfer so in eine Teileschachtel zu legen, dass ich später wieder weiss, welches an welcher Position war.
Danach kann das Chassis nach hinten herausgezogen werden. Vorsicht mit den Gummidämpfern innen im Gehäuse. Die Metalschienen kleben ziemlich fest an diesen, können aber mit sanfter Gewalt abgelößt werden.

Bakelit-Rahmen

Den braunen Rahmen aus Bakelit kann man durch Lösen der Metalklammern von innen aus dem Holzgehäuse nehmen. Er kann mit etwas probieren herausgenommen werden, auch wenn die seitlichen Lautsprecher noch montiert sind.
Auf keinen Fall mit Lösungs oder Reinigungsmitteln, auch nicht mit Seifenwasser waschen!
Die Oberfläche löst sich dabei auf. Den Bakelit Trick mit dem Parafin verwenden. Er glänzt danach wieder in einem schönen Braun und fasst sich wunderbar an.

Messing-Teile

Die Messingleiste um den Frontlautspecher habe ich von der Lackschicht befreit. Ich habe die Zittronensäure-Lösung (Messing) mit meiner "Schleifpaste" benutzt. Eine saumässige Arbeit - ich bin jetzt braungebrannt, vom zweitägigen stundenlangen am Grill in der Sonne sitzen.
Das "3D" Logo habe ich nur kurz in Seifenlauge (Vollwachmittel) eingelegt und mit dem Borstenpinsel geputzt. Die Buchstaben sind einfach zu filigran und verbiegen sich zu leicht.
Das "Fiedelio" Logo habe ich nicht abmontiert, ich komme nicht an die Befestigung heran.
Die untere Zierleiste bleibt an "unpoliert", da sie noch gut aussieht und die Lackschicht in der Mitte keinen Schaden nehmen soll.

Elektronik reparieren

Kondensatoren

Laut allen Foren soll man unbedingt die Papierkondensatoren tauschen. Ich habe die Kondensatoren der Marke "ERO" im Auge.
Diese habe ich auch hier auf den Bilderen als Austauschkandidaten entdeckt:

Ich werde einfach neue einlöten, ohne den "Look" der alten zu erhalten.

Um die Beschriftungen lesen zu können habe ich die Kondensatoren im eingelötetem Zustand mit einer Zange solange gedreht, bis die Beschriftung lesbar wurde. Das sie dabei anfangen zu zerbröseln habe ich in Kauf genommen, so muss ich mir aber nicht merken wo welcher angeschlossen war, bis die neuen kommen.

Austausch

Bestellt habe ich einigermassen passende Typen bei http://www.tubeampdoctor.com:

  • Chassis:
    • C-A: ERO; 0,01 µF; 500 V-; 250 V~
      • TAD 10 nF; 630 V
    • C-B: ERO; 0,025 µF; 125 V-; 75 V~
      • TAD 22 nF; 630 V
    • C-C: ERO; 0,025 µF; 125 V-; 75 V~
      • TAD 22 nF; 630 V
    • C-D: ERO; 0,1 µF; 120 V-; 75 V~
      • TAD 100 nF; 630 V
    • C-E: ERO; 0,1 µF; 126 V-; 76 V~
      • TAD 100 nF; 630 V
    • C-F: ERO; 0,01 µF; 500 V-; 250 V~
      • TAD 10 nF; 630 V
    • C-G: ERO; 0,01 µF; + 10 M Ohm; 250 V-
      • TAD 10 nF; 630 V (mit dem alten 10 M Ohm Widerstand)
  • Klangregister:
    • C1: ERO; 0,25 µF; 125 V-; 75 V~
      • TAD 22 nF; 630 V
    • C2: ERO 0,025 µF; 125 V-; 75 V~
      • RUBY 0,003 µF; 600 V
    • C3: NEOKON; 250 pF; 500/1500V-
      • TAD 22 nF; 630 V

Kondensator mit drei Anschlüssen

Ein Kondensator hat drei Anschlüsse und ist mit "+ 10 M Ohm" beschriftet. Aufgrund meiner Nachfrage http://www.hifi-forum.de/index.php?action=browseT&forum_id=111&thread=2719 habe ich weiterführende Infos bekommen: http://www.radiomuseum.org/forum/nordmende_57_3d_fidelio_kondensatorentausch.html und http://www.radiomuseum.org/forum/nordmende_57_elektra_schaltbildfrage.html


Ich habe den alten ERO Kondensator sanft mit einer Flachzange "zerbröselt" und die Folie abgewickelt. Dabei hat sich auch sehr schän die "Schaltlogik" offenbart. Imm inneren kam als Kern sauber der Widerstand zum vorschein den ich dann wieder entsprechend an dem Röhren-Sockel angelötet habe. Keine schlechte Idee, denn wer hat schon einnen 10 M Ohm Widerstand auf Vorrat herumliegen?!

Messing-Teile

Die Messingteile habe ich mit einem (säurefreien) Klarlack für Metalle (Zaponlack von Clou) gestrichen. Da er sich als recht dickflüssig erwiesen hat und wie in den Angaben auf der Dose wirklich als sehr "schnelltrockned" erwiesen hat, würde ich ihn das nächste mal gleich kit der entsprechenden Nitro-Verdünnung (V2 von Clou) verdünnen. Sonst gibt es sehr schnell Streifen oder angesetzte Stellen.
Zum Streichen ist ein in der Größe passender weicher Künstlerpinsel zu empfehlen.


Vor dem Streichen das Holz mit einem Kreppband abkleben (Obacht: Ausprobieren, ob es wieder abgeht, ohne den Lack mitzunehmen). Man kann das Klebeband unter die Messingleiste schieben, so das das Holz gut abgedeckt ist.

Holzgehäuse

Das Holzgehäuse habe ich nicht abgeschliffen, da es im Grunde noch sehr gut aussieht.
Die wenigen abgesplitterten Stellen an den Ecken und die Haarrisse verschwinden nach einer Behandlung mit Möbelpolitur "fernol dunkel" von Clou. Zwei bis dreimal mit einem gut angefeuchten Lappen drüber polieren.

Skalenzeiger

An dem roten Skalenzeiger aus Metall war etwas Farbe abgeblättert. Ich habe die Stelle mit roter "Humbrol Enamel" "Satin 174" Emailfarbe ausgebessert. Passt fast perfekt zu dem altem und gibt es in meinem Haus-Obi in winzigen Döschen - so bleibt nicht so viel übrig, wer weiss, wann ich mal wieder ein Radio rot lackieren will...

Schwarze Zierleisten

Für die ausbesserung der oberen schwarzen Zierleiste auf dem Holz habe ich ebenfalls "Humbrol Enamel", diesmal "Gloss 21" verwendet. Ist evtl. nicht ganz das richtige aber, das kleine Dösschen und er fließt so schön und glänzt herrlich - was willste mehr?

Glas-Skala

Die Glas-Skala war bei mir zum Glück noch ganz in Ordnung, nur einige kleine Absplitterungen sind zu erkennen.
Um diese auszubessern habe ich einen "DEKA" Acryl Lack besorgt, da er mir vom Farbton passend erschien. Leider hat sich herhausgestellt, dass die undurchsichtigen Stellen gegen das Licht dann braun durchscheinend wurden. Ich habe dann kurz entschlossen mit dem schwarzen "Humbrol Enamel" gemischt, keine Ahnung was das für eine Sünde ist, aber es deckte dann ganz gut.

Schwierig sind die, wohl ab Werk, von hinten direkt auf der Beschriftung angebrachen "Tesa" Aufkleber über den Noten für die Tonhöhe. Diese haben sich im Laufe der Jahre abgelößt und haben auch einige Flecken der Beschriftung "mitgenommen". Ich habe sie mit einem Krepp-Tesaband wieder glattgezogen und zum Teil mit Zaponlack angeklebt. Wohl nichts für die Ewigkeit, aber etwas besseres ist mir nicht eingefallen.
Als alles trocken war habe ich alles dick mit unverdünnten Zaponlack von Clou gestrichen und hoffe das es die Sache erst einmal konserviert.

Beschriftung der Knöpfe

Die Beschriftung der weissen (gelben) Knöpfe auf dem Knalngregister bereitet mir noch Kopfzerbrechen. Ich habe versucht sie mit goldenen "Humbrol Enamel" "Met 16" Emailfalbe und sehr feinen Pinseln auszubessern, glücklich bin ich damit aber noch nicht. Zum einen scheint die Farbe nicht richtig zu haften, zum ander fließt die über die Gevur hinweg. Ich kann zwar ganz gut da überschüssige hinwegwischen, aber "schön" wird es nicht. Immerhin ist die Schrift jetzt wieder besser lesbar. Zum Teil ist aber schon die Vertiefung selber abgenutzt und man kann die Form der Buchstaben selber nicht mehr richtig erkennnen.
Ich denke für eine perfekte Renovierung brauch es ein Mikroskop und die richtige Farbe. Beides habe ich momentan nicht.

Zusammenbau

Die folgende Reihenfolge wurde vom Erfolg gekrönt:

  1. Bakelit-Rahmen einsetzen und mit den 8 Metal-Klemmen wieder befestigen.
  2. Frontbrett mit Stoff-Bespannung an den Rahmen anschrauben.
  3. Frontlautsprecher anschrauben. Evtl. den Lautsprecher vorher anschrauben und zusammen mit dem Brett einsetzen, aber das ganze wird darurch seht unhandlich, da schwer. Wieder einen Tropfen Stop-Lack auf die Mutter auftragen, es war vorher auch einer drauf und es wird sich ja jemand etwas dabei gedachten haben.
  4. Klangregister anschrauben, darauf achten, das die Knopfleiste gerade sitzt und die Knöpfe spiel haben und sich betätigen lassen.
  5. Skalen-Scheibe auf die noch ausgebaute Chassis setzen. Vorsicht, die Gummieringe kommen um Glasscheibe und Metalteile des Chassis. Nicht nur um das Glas wie ich es erst probiert habe, dann sitzt das Glas zu hoch und die unteren Umschalt-Tasten schnappen von unten gegen das Glas (es ist nichts passiert, aber so ein Schlag kann bei dem alten Glas tödlich sein). Die Gummieringe recht weit nach aussen setzen, da sie sonst sichtbar werden, so ca. 1-2 mm vom Rand weg. Darauf achten, das die Klangregler sauber die Noten abdecken und der 12er Zeiger für die Ferrit-Antenne auf einer sinnvollen Nullstellung steht.
  6. Die Abdeckungen für den Höhen- und Tiefen-Regler zusammen mit dem Drehknopf auf die Achse setzen. Der "geniale" Drehnopf hat eine Aussparung die man jeweils so hindrehen kann, dass man immer noch an die Befestigungsschrauben der Abdeckung kommt. Die Abdeckung in den Langlöchern so hinschieben, dass diese mit den anderen Knöpfen optisch auf einer Höhe sind. Darauf achten, das die Knöpfe nicht "kratzen", links und rechts ist wenig Spiel zu der Abdeckung. Erst danach die Drehknöpfe mit der Schraube auf der Achse fixieren. Dabei darauf achten, das die Aussparung für die Schraube nicht sichtbar wird, wenn der Regler auf Rechts- oder Links-Anschlag gestellt wird - notfalls so lange probieren, bis es stimmt.
  7. Der Lautstärkeregler und der Sender-Suchknopf sind im Vergleich einfach zu montieren. Erst die Filz-Scheiben ausetzen, dann die Knöpfe. Ich habe als Position für die Schraube versucht die ursprünglichen zu treffen, die noch als Abdrücke auf den Achsen sichtbar waren.
  8. Vor dem Einbau der Chassis die oberen Gummiescheiben auf das Holz setzen. Ich habe versucht die alten Positionen zu treffen, die noch als Abdrücke im Gummie sichtbar waren. Dann das Chassis auf den Metal-Schienen vorsichtig auf die Scheiben setzen und nach vorne schieben. Dann die Schrauben mit der unteren Gummie-Scheibe und der Unterlagsscheibe von unten anschrauben. Am besten geht das von unten, wenn das Gerät an der jeweiligen Ecke über der Tischkannte hängt - Vorsicht, wem das Radio jetzt vom Tisch noch kippt wird wohl auf ewig fluchen und schimpfen!

Tips

Version 73 bearbeitet am {17.08.2008 21:28:39} von smk, Besitzer ist smk und die Berechtigungen sind eingeschränkt auf: Jeden